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Trauerbewältigung

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist für viele Menschen eine äußerst schlimme Erfahrung. Der Alltag in den Tagen und Wochen nach dem Verlust muss bewältigt werden, auch wenn man seelisch und körperlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Gesellschaft erwartet von uns, dass wir unser alltägliches Leben schnell wieder meistern können – als wäre nichts passiert. Dabei braucht es viel Zeit und Kraft, bis die Trauerbewältigung abgeschlossen ist und man das Leben wieder auf die gewohnte Weise weiterführen kann.

© Photographee.eu – fotolia.com

 

Bewusst Abschied nehmen

Pro Jahr sterben mehr als 850.000 Menschen in Deutschland. Dennoch kommen hierzulande viele Menschen gar nicht mehr mit dem Tod und mit Sterbenden in Berührung. In anderen Kulturen und Religionsgruppen, wie z.B. in muslimisch oder in buddhistisch geprägten Ländern versterben heute immer noch die meisten Menschen zu Hause. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das bei uns nicht anders. Selbstverständlich gehörte es dazu, dass alle Angehörigen dabei waren und sich verabschiedet haben, wenn jemand verstorben ist.

In unserer heutigen Gesellschaft versterben die meisten Menschen im Krankenhaus oder im Heim. Zwar wünschen sich die meisten Menschen, zu Hause einzuschlafen, aber die ambulante palliativmedizinische Versorgung sterbender Menschen ist nicht entsprechend ausgebaut. Nicht selten erfahren die Angehörigen nur telefonisch, dass der Sterbefall eingetreten ist. Schnell wird dann das Bestattungsunternehmen gerufen, und der Leichnam wird in eine Kühlzelle überführt. Zeit zum aktiven Abschiednehmen von dem Sterbenden bleibt der Familie oft nicht. In unserem Alltag ist der Tod gar nicht mehr präsent.

Hospize und Seniorenheime geben den Angehörigen oft die Möglichkeit, den Sterbenden in seinen letzten Stunden zu begleiten und einfach bei ihm zu sein. Mit tröstenden Worten, Berührungen und der bloßen Anwesenheit geben sie dem Sterbenden das Gefühl, nicht allein zu sein. Für die Angehörigen selbst ist das aktive Begleiten und das bewusste Abschiednehmen ein erster Schritt, den Tod zu begreifen und die anschließende Zeit der Trauer aktiv zu gestalten.

Einige Menschen entscheiden sich für eine Abschiednahme am offenen Sarg. Gerade dann, wenn wenn jemand plötzlich und unerwartet verstorben ist, ist es für die Angehörigen schwer zu begreifen, dass er für immer gegangen ist. Die Aufbahrung eines Verstorbenen macht vielen Menschen den Tod erst begreiflich. Den Verstorbenen noch einmal zu sehen, ihn vielleicht zu berühren und ein letztes Mal in seiner Nähe zu sein hilft später bei der Bewältigung der Trauer.

 

Die Trauerfeier

Vielen Menschen hilft es zum Beispiel auch, sich aktiv in die Planung und Organisation der Trauerfeier einzubringen. Trauerkarten zu entwerfen, eine Trauerrede zu schreiben oder die Blumendekoration zusammen zu stellen. Die aktive Beschäftigung mit der Planung des feierlichen Abschieds hilft Angehörigen, das Passierte zu begreifen. Auch die Zeremonie selbst, die Trauerrede und der anschließende Leichenschmaus haben wichtige soziale und psychologische Funktionen und helfen bei der Trauerbewältigung.

 

Zeit der Trauer

Zunächst einmal sollte sich jeder darüber bewusst werden, dass es ganz normal ist, von der eigenen Trauer überwältigt zu werden, wenn ein geliebter Mensch verstorben ist. Da die Themen Tod und Trauer in unserer Gesellschaft jedoch meistens tabuisiert werden, sind viele Menschen auf die Gefühle, die sie überkommen, gar nicht vorbereitet. Dabei ist es in Ordnung, in der Trauer nicht normal zu „funktionieren“. Die Zeit der Trauer dauert bei jedem Menschen unterschiedlich lange an. Bei einigen Menschen dauert die Zeit der Trauer einige Monate, bei anderen kann sie Jahre dauern. Es gibt auch nicht ein bestimmtes Gefühl oder die eine typische Reaktion. Trauer ist bei jedem Menschen ein individueller Prozess.

Mit dem Modell der Trauerphasen hat Elisabeth Kübler-Ross dennoch versucht, Gemeinsamkeiten festzustellen und den Trauerprozess damit zu erklären. Demnach muss der Mensch die Zeit der Trauer aktiv und bewusst bewältigen und dabei verschiedene Trauerphasen durchlaufen. Wenn man das Gefühl hat, in einer Trauerphase “festzustecken”, bieten ein Trauerbegleiter oder ein Psychologe professionelle Unterstützung. Am Ende des Trauerprozesses akzeptiert man den Verlust. Man wendet man sich langsam wieder dem “normalen” Alltag zu. Dabei richtet man das Leben neu aus und schaut positiv in die Zukunft. Das Ende der Trauerzeit bedeute nicht, den Verstorbenen zu vergessen zu haben, sondern beschreibt, dass er Teil unserer emotionalen Erinnerung geworden ist und wir gelernt haben, den Verlust anzunehmen und damit weiter zu leben.

 

Was können Freunde und Bekannte tun?

Trauer hat ganz verschiedene Formen: manche Menschen ziehen sich zurück, manche stürzen sich ins Arbeitsleben, manche möchten reden, manche finden keine Worte. Unter echter Freundschaft verstehen die meisten von uns, einen Freund auch in schlechten Zeiten begleiten. Die Zeit der Trauer ist eine besonders schmerzliche Phase. Vielen fällt es schwer, mit der Traurigkeit des andren umzugehen, die richtigen Worte zu finden und Trost zu spenden. Wir sind unsicher und hilflos, was den Umgang mit dem Trauernden betrifft.

 

Man kann niemandem seine Trauer abnehmen. Aber man kann für ihn da sein, zuhören, sich immer wieder anbieten und fragen, wie man unterstützen kann. Dabei sollte man auf Bemerkungen wie: “Das Leben geht weiter!” oder “Schau nach vorne!” verzichten. Vor allem in der ersten Phase der Trauer kann praktische Unterstützung im Alltag für trauernde Menschen entlastend sein. Sei es die Erledigung von Einkäufen, Essen kochen, Hilfe im Haushalt oder das Übernehmen von Behördengängen. Freunde und Bekannte können sich auch in den ersten Wochen untereinander absprechen, verschiedene Aufgaben verteilen oder reihum dafür sorgen, dass der Trauernde in der ersten Zeit versorgt ist. Nicht zuletzt kann auch finanzielle Unterstützung für die Hinterbliebenen hilfreich sein. Generell sollten Betroffene versuchen, offen für die Hilfe anderer zu sein und diese annehmen.

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