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Jüdische Bestattung – Ablauf und Kosten im Überblick

Die jüdische Bestattung ist, ebenso wie die christliche oder muslimische Bestattung, eine religiöse Bestattungsform, die eigenen Regeln und Ritualen folgt. Mehr als andere Religionen legt der jüdische Glaube den Fokus auf das Leben im Diesseits, und der Tod ist eben ein Teil des Lebens. Juden glauben an die Unsterblichkeit der Seele, und es besteht die Hoffnung auf Auferstehung der Toten. Nach ihrer Überzeugung steigt die Seele eines verstorbenen Menschen zu Gott auf und lebt dort weiter. Im Judentum sind Bestattungen nicht nur Sache der Familie. Die Chewra Kadischa (Heilige Beerdigungsbrüderschaft) ist Teil einer jüdischen Gemeinde, und sie hat die Aufgabe, sich um die Verstorbenen, die Bestattung und um die Angehörigen zu kümmern.

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Rituale bei Eintritt des Sterbefalls

Stirbt ein Angehöriger jüdischen Glaubens zu Hause, so unterstützt und tröstet die Chewra Kaddischa die Angehörigen. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört der Krankenbesuch und das Gebet am Lager des Sterbenden. Einen Sterbenden soll man nicht berühren, denn das könnte den Eintritt des Todes beeinflussen. Man spricht Gebete und zündet Kerzen an. Nachdem der Tod eingetreten ist, schließt man ihm die Augen, bedeckt den Leichnam mit einem Leinentuch und legt ihn auf den Fußboden. Anschließend bereitet man die Bestattung auf dem Friedhof vor. Da heutzutage die meisten Sterbefälle im Krankenhaus passieren, werden diese Rituale nur noch selten angewendet. Ein Bestatter überführt den Verstorbenen zum anschließend zum Friedhof. 

Tahara ist die rituelle Waschung des Verstorbenen in der Leichenhalle des Friedhofs, die ebenfalls die Chewra Kaddischa vornimmtDie Totenkleidung besteht aus einem langen weißen Totenkleid. Männer werden oft zusätzlich in ihren Tallit, den Gebetsschal gehüllt.

Rituale der Jüdischen Bestattung

Das Judentum kennt als Bestattungsart laut der Halacha (orthodoxe religiöse Vorschrift) nur die Erdbestattung. Nach dem jüdischen Religionsgesetz ist gläubigen Juden eine Feuerbestattung untersagt. Die Kremation wird als Entledigung und als Verfehlen der letzten Ehre und des pietätvollen Abschieds betrachtet (http://www.hagalil.com/judentum/rabbi/fh-0803-1.htm).  Darüberhinaus gibt es die biblisch begründete Vorstellung, dass alle Toten am Tag des jüngsten Gerichts auferstehen werden. Daher muss man den Leichnam unversehrt bestatten. Je nach religiöser Ausrichtung sind Feuerbestattungen heutzutage selten, aber im liberalen Judentum durchaus zu finden. 

Nach jüdischem Glauben kann die  Seele des Verstorbenen erst dann aufsteigen kann, wenn dieser beigesetzt und somit zur ewigen Ruhe gebracht wurde. Daher soll die eines Verstorbenen immer so schnell wie möglich erfolgen. Die deutschen Bestattungsgesetze ermöglichen ein Begräbnis jedoch frühestens nach 48 Stunden. Wie auch bei der muslimischen Bestattung wird im Judentum traditionell für die Erdbestattung nur ein Leichentuch verwendet. Aufgrund der Sargpflicht werden die Verstorbenen in Deutschland in einem Holzsarg beigesetzt. Seit fast 2.000 Jahren herrscht im Judentum das Gebot der schlichten Bestattung. Alle Verstorbenen werden gleichermaßen in einem weißen Sterbehemd und in einem einfachen Holzsarg beigesetzt. So wird zwischen Armen und Reichen bei der Bestattung kein Unterschied gemacht: Vor Gott und im Tod sind alle Menschen gleich. (http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/210.lebensende-bestattung-trauer.html). Auch die Grabsteine sind einheitlich und schlicht gestaltet. Man stellt sie oft erst nach Ablauf eines Jahres auf.

Um einige Arbeiten der Bestattung sowie um die Beisetzung kümmert sich ebenfalls die Chewra Kadischa, die Beerdigungsbrüderschaft. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich, und die Vereinigung wird durch Spenden finanziert. Sie übernimmt auch viele Tätigkeiten eines Bestatters.

Die Trauerfeier

Die Bestattungszeremonie beginnt traditionell mit einer Trauerfeier auf dem Friedhof. Dafür gibt es eigens einen Abschiedsraum. Nach einem einleitenden Gesang des Kantors hält ein Rabbiner eine Trauerrede. Häufig sprechen auch noch andere Personen. Gebete und Psalme werden auf Hebräisch vorgetragen. Ein Nachruf, der das Leben und die Verdienste des Verstorbenen würdigt, wird in der jeweiligen Landessprache verlesen. Das Einreißen des Gewandes (die K´riah ) ist ein traditioneller Brauch, bei dem sich die nächsten Angehörigen ein Kleidungsstück einreißen als Symbol für den Riss, den die Seele durch den Verlust und den Schmerz erlitten hat.

Beisetzung

Die Trauergemeinde verlässt nach der Zeremonie die Trauerhalle, und man trägt den Sarg zu der vorbereiteten Grabstelle. Auf dem Weg zum Grab werden Gebete und Psalme vorgetragen. Der Sarg wird dann in die Erde versenkt, und die Angehörigen und Trauergäste werfen 3 Schaufeln Erde in das Grab. Sobald der Sarg mit Erde bedeckt ist, wird das Kaddischgebet (Totengebet) gesprochen. (Quelle: http://www.sgsaar.de/index.php?seite=beerdigung). Beim Verlassen des Grabes legen die Trauernden kleine Steine auf das Grab.

Der jüdische Friedhof

Der jüdische Friedhof hat eine besondere Bedeutung und wird auch als „Beth Hachaim“ (Ort des Lebens) oder „Beth Olam“ (Haus der Ewigkeit) bezeichnet. Das bedeutet, dass die ewige Totenruhe als verbindlich gilt und die Gräber für alle Zeit Bestand haben. Daher laufen jüdische Gräber nicht ab, und eine Neubelegung ist ausgeschlossen. Die Gräber sind nach Osten, in Richtung Jerusalem ausgerichtet. Blumenschmuck ist auf jüdischen Gräbern eher unüblich. Grabepflanzung ist nicht erwünscht, um die Toten nicht zu stören. Über die Gräber wachsen Efeu und Gras.

Es ist Tradition, dass Besucher kleine Steine als “stillen Gruß” auf die Grabplatte oder auf den Grabstein legen. Männliche Besucher – auch nichtjüdischen Glaubens – müssen eine Kopfbedeckung tragen, wenn sie den Friedhof besuchen. Beim Verlassen des Friedhofes nach einer Beerdigung oder nach einem Besuch wäscht man sich die Hände. Damit wird die Trennung von Tod und Unreinheit symbolisiert, denn ein Friedhof oder überhaupt die Nähe oder der Kontakt zu Toten gilt im Judentum als unrein.(http://www.sgsaar.de/index.php?seite=trauer)

Kosten einer jüdischen Bestattung

Traditionsgemäß findet bei einer jüdischen Bestattung keine Einäscherung statt. Es handelt sich also um eine klassische Erdbestattung. Dabei werden die Leistungen eines Bestattungsinstitutes nur eingeschränkt in Anspruch genommen: Der Bestatter kümmert sich um die Überführung des Verstorbenen zum Friedhof, die Erledigung der Formalitäten und die Anmeldung beim Friedhof. Die rituelle Waschung, die Durchführung der Trauerfeier  und die Beisetzung dürfen nur von der Chewra Kaddischa übernommen werden. Die Kosten für ein Grab und für einen Grabstein ergeben sich aus der jeweiligen Friedhofsgebührenordnung.

Trauer im Jundentum

Auch wenn der Tod als Vereinigung mit Gott verstanden wird, ist die Trauer in der religiösen Bestattung von entscheidender Bedeutung. Feste Rituale sollen den Angehörigen die Zeit der Trauer erleichtern und ihnen Halt geben. Die soziale Gemeinschaft und gemeinsames Essen helfen den Trauernden zusätzlich. Die Trauerzeit wird in 4 Abschnitte eingeteilt:

  1. Phase: “Aninut” ist jene Zeit zwischen Eintritt des Todes und Beerdigung. Diese erste Zeit der Trauer ist die intensivste. Die Familie ist in dieser Zeit von religiösen Pflichten entbunden.
  2. Phase: “Schiwa” bezeichnet die erste Woche nach dem Begräbnis. Die Trauernden verlassen das Haus nicht, gehen nicht arbeiten, Freuden jeder Art sollten vermieden werden, Nachbarn und Bekannte sorgen für die Mahlzeiten, Gottesdienste werden im Trauerhaus abgehalten. Es ist Tradition, die Spiegel im Haus zu verdecken. Das Nichtkaufen oder Tragen neuer Kleidung sowie das Aussetzen des Haareschneidens und des Rasierens gehören zu den traditionellen Pflichten in der Trauerzeit.
  3. Phase: “Schloschim” nennt man die 30 Tage nach dem Begräbnis. Der Trauernde kehrt zwar in den Alltag zurück, aber einige Einschränkungen (Verbot von Musik, freudigen Festen wie Hochzeiten, Haareschneiden, Kaufen und Tragen neuer Kleidung) werden fortgeführt.
  4. Das Trauerjahr: ist ein Elternteil verstorben, so werden die Praktiken des “Schloschim” ein Jahr lang fortgeführt. Nach 30 Tagen ist jedoch das Schneiden der Haare wieder erlaubt, sollte Kritik von einem Außenstehenden kommen (Quelle)

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